"Weiße Wanne"

Die Tragkonstruktion dient zur Lastabtragung und Abdichtung. Zur Anwendung gelangt wasserundurchlässiger Beton. Häufig wird Hochofenzement verwendet. Die hierdurch hell aussehenden Baustoffe ergaben den Namen „Weiße Wanne. Die Herstellung der weißen Wanne ist relativ wetterunabhängig. Undichtigkeiten nach Fertigstellung sind an den feuchten Stellen deutlich zu erkennen. Es ist für jedermann offensichtlich. Eine Hinterkriechung wie bei der schwarzen Wanne findet nicht statt. Schadensursachen bei der weißen Wanne sind jedoch selten falsche Baustoffe, vielmehr sind sie auf den Einsatz der falschen Personen zurückzuführen. Eine Schadensbeseitigung kann durch Verpressen mit Kunstharz relativ einfach erfolgen. 

Besonderheit:

Für die Bauart der „weißen Wanne“ erschien im Mai 2004 der Weißdruck der Richtlinie „Wasserundurchlässige Bauwerke aus Beton“, Ausgabe November 2003 (1). Herausgeber war der Deutsche Ausschuss für Stahlbeton (DAfStb).

Vor dem Erscheinen existierte keine einheitliche Zusammenfassung bzw. Festlegung über diese Bauweise.

Die WU-Richtlinie regelt:

  1. Festlegung von Gebrauchstauglichkeitsanforderungen
  2. Planung der Wasserundurchlässigkeit
  3. Definition von Nutzungsanforderungen
  4. Verantwortlichkeit der Beteiligten
  5. Dokumentation 

Die meisten Punkte sind für den spezialisierten Fachplaner relevant und müssen von diesem berücksichtigt werden. Allerdings bzgl. der Vorgabe „Verantwortlichkeit der Beteiligten“ sind schon zu Beginn der Planungsphase Festlegungen zu treffen, welche Aufgaben dem Architekten bzw. dem Fachplaner obliegen und welche Randbedingungen vorliegen. Eine schriftliche Fixierung ist hierzu dringend anzuraten.

Nach DIN 1045-1 darf für die Weiße Wanne im Grundwasser nur Beton mit hohem Wassereindringwiderstand und mindestens der Druckfestigkeitsklasse C25/30 verwendet werden. Dieser Beton unterliegt der Überwachungsklasse 2. Dies bedeutet, der Einbau von Beton ist durch eine Überwachungsstelle zu prüfen. Eine Ausnahme ist nur möglich, wenn der Baukörper nur zeitweilig aufstauendem Sickerwasser ausgesetzt ist (2). Dann ist die Zuordnung zur Überwachungsklasse 1 zulässig.

Ein viel diskutiertes Thema bildet die Feuchtigkeit im Zusammenhang mit der Weißen Wanne.


1. Kapillarer Wassertransport

Forschungen von Springenschmid und Beddoe (3) haben ergeben, dass durch Beton nahezu kein Wasser gelangt. In der WU-Richtlinie wird davon ausgegangen, dass bei wasserundurchlässigen Bauteilen aus Beton kein Kapillartransport durch die Bauteildicke erfolgt. Auf der Beanspruchungsseite bildet sich lediglich ein Bereich von ca. 7 cm aus, in dem kapillarer Wasser-transport stattfindet. Ab hier erfolgt kein weiterer Wassertransport in den Kapillarporen des Betons.

2. Wasserdampfdiffusion

Wasserdampfmoleküle wandern vom Ort der höheren Wasserdampfkonzentration zum Ort der geringeren Wasserdampfkonzentration (unterschiedlicher Wasserdampfdruck), d.h. bei der „Weißen Wanne“ von außen nach innen. Untersuchungen von Klopfer und Lohmeyer (4) haben gezeigt, dass die eindiffundierende Wasserdampfmenge mit ca. 0,4 – 0,5 g/(m²d) sehr gering ist. Der Einfluss auf den Gesamtfeuchtigkeitsgehalt ist daher unbedeutend.

3. Herstellungsfeuchte

Die überschüssige Wassermenge von frisch eingebautem Beton ist erheblich. Die Austrocknung (Verdunstung) erfolgt über sehr lange Zeiträume. Je nach Lüftung der Innenräume erstreckt sich dieser Zeitabschnitt über 2 – 3 Jahre. Im Betonquerschnitt stellt sich auf Dauer ein Austrocknungsquerschnitt von ca. 8 cm ein. Die im ersten Austrocknungsjahr anfallende Wassermenge beträgt ca. 10 g/m²d (4). Diese Menge ist erheblich größer als die durch Diffusion anfallende Wassermenge.

4. Tauwasser

Im Erdreich oder Grundwasser stehende Gebäudeteile sind kühl. Dies trifft insbesondere auf die Betonaußenwände der Weißen Wanne zu. Sinkt die Oberflächentemperatur der Betonwand unter die Taupunkttemperatur der Raumluft, so ergibt sich eine Tauwasserbildung auf den Bauteiloberflächen. Bei wohnraumähnlich genutzten Räumen ist es daher empfehlenswert, die Oberflächentemperatur durch die Anbringung einer Perimeterdämmung zu erhöhen. Überstände von Bodenplatten müssen dann komplett mit Dämmung eingefasst werden.

Bei richtiger Planung und ordnungsgemäßer Ausführung sind WU-Bauteile auch bei wohnraumähnlicher Nutzung unproblematisch. Nachfolgende Punkte müssen jedoch unbedingt berücksichtigt werden:

I. Feuchtigkeit

- Ein kapillarer Wassertransport findet nicht statt

- Die Dampfdiffusion ist vernachlässigbar gering

- Die Herstellungsfeuchte ist entscheidend

- Eine Tauwasserausbildung muss ausgeschlossen werden

II. Konstruktion

- Wärmedämmung der Außenbauteile

- Bodenplatte abkleben bei schwimmendem Estrich

- Trennwände mit horizontaler Abklebung am Fußpunkt - Kein Gipsputz

- Be- und Entlüftung der Räume planen

- Die Lüftung muss dauerhaft wirksam  sein

Bei schwimmendem Estrich ist eine Abklebung erforderlich, damit keine Feuchtigkeit in die Dämmung eindringend kann. Bei Verbundestrich ist eine Abklebung nicht erforderlich, wenn der Oberbelag dampfdiffusionsoffen ausgeführt wird.

 
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